Dr. Daniel Regli, SVP (Bild: Website Gemeinderat Zürich)

Pazifismus? Niemals!

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Zumindest nicht bei der SVP. Dahinter können sie nicht stehen, nicht heute, auch nicht in Zukunft, niemals. Meinte zumindest Dr. Daniel Regli (SVP) bei der Ratsdiskussion zum Postulat der AL, bei der es um den Verzicht von Flug-Shows am Züri-Fäscht geht. Wie kann man gegen Pazifismus sein? Lieber Bellizismus? Ernsthafte Frage.

Aber Herr Regli ist gegen ziemlich vieles, so auch gegen Schwule und hat vor Weihnachten noch mit einer hässlichen Aussage im Parlament einen Tumult ausgelöst, worüber auch im 20min berichtet wurde:

Homosexuelle zwischen 30 und 40 würden sich das Leben nehmen, weil «der Analmuskel nicht mehr hält, was er verspricht». So äusserte sich SVP-Gemeinderat Daniel Regli am Samstag im Stadtzürcher Parlament. Und er sagte weiter: «Weil viele sich nicht getrauen, mit Windeln rumzulaufen, gibt es Selbstmorde.» Dies sei ein Grund dafür, dass jeder fünfte Homosexuelle mindestens einen Selbstmordversuch gemacht habe.

Die Aussage wurde durch alle politischen Parteien hinweg verurteilt, aber Herr Regli scheint das nicht zu stören. Er bleibt weiter gegen alles und jeden, gegen Frieden und gegen Schwule, vielleicht sonst noch gegen was oder wen? Aber natürlich. Zum Beispiel gegen türkische Kleinladenbesitzer, die ihr Geschäft sonntags geöffnet halten, die mag er auch nicht besonders.

Ein normaler Supermarkt mit Bewilligung zum Sonntagsverkauf wird als „Shop“ oder „Ladengeschäft“ beschrieben, beim Maxim Süpermarket aber wühlt Regli in seinen Fremdsprachenkenntnissen und nennt es einen „Ethno-Food-Markt“. Und wollte vom Stadtrat wissen, wie es komme, dass dieser sonntags offen sein darf. Man könnte sich ja auch selber informieren, was die Grundlagen für eine Sonntagsbewilligung sind (Google lässt grüssen, hat mich ganze 5 Sekunden und 34 Anschläge gekostet), aber Herr Regli bemüht lieber die Stadträte mit einer schriftlichen Anfrage, denn nur so kann er seine Empörung wirklich zum Ausdruck bringen (Begründung des Stadtrats: weil die Ladenfläche kleiner als 200m2 ist).

Und die Empörung scheint seine Schreibleistung etwas beeinflusst zu haben, nur so sind die Widersprüche zu erklären. Da wird der Schwamendingerplatz zuerst als „…an Sonntagen nicht sehr stark belebt“ beschrieben, in der Umgebung gäbe es kaum Fussverkehr und der Supermarkt wirke als Fremdkörper auf einem dörflichen Platze. Weshalb, weil er offen ist oder weil es ein türkischer ist? Der Laden befindet sich auch genau gegenüber des „altehrwürdigen Gasthofs Hirschen, unweit der reformierten Kirche“ (Zitat Regli), alles schöne Institutionen für Schweizer Gepflogenheiten, und könnte Herr Regli beim Herrgöttli nach dem Gottesdienst vielleicht aufgefallen sein. Wie merkt man eigentlich, dass der Laden offen hat und stört? Beschäftigt der Ladenbesitzer vielleicht einen Marktschreier, der Leute anzulocken versucht? Wohl kaum. Er ist einfach da, ab und zu geht die Türe auf, vielleicht ertönt sogar ein Klingelgeräusch. So wie früher bei den alten Quartierläden. Herr Regli muss sehr gute Ohren haben.

Ich glaube, Regli hätte nichts dagegen, wenn ein Volg dort stehen würde. Wie ich darauf komme? Nun, seine Argumentation spricht Bände:

Es scheint, dass die Zürcher Behörden einmal mehr einem Gewerbetreibenden mit Migrationshintergrund eine tendenziöse Bewilligung erteilt haben. Es ist unbestreitbar, dass ein türkischer Supermarkt in einem sonntags-beruhigten Quartierzentrum ausserordentliche Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ebenso unbestreitbar ist es, dass die Stadtverwaltung mit solchen migrationsideologischen Bewilligungen den öffentlichen Raum in den Zürcher Quartieren prägt. So wird die christlich definierte Sonntagskultur zurückgebaut. Die zugewanderte Kultur hingegen wird gefördert.

Christlich definierte Sonntagskultur, diese habe ich seit den 80ern nicht mehr gespürt, als ich noch Hostien essen musste. Und es war definitiv nichts in den 90ern davon zu spüren, als Sonntage zum Kater ausschlafen genutzt wurden. Aber migrationsideologische Bewilligungen, wirklich? Wie heissen denn Bewilligungen für die Volg Läden, die sonntags ebenfalls geöffnet haben, kapitalideologische Bewilligungen vielleicht? Christlich gesegnete Bewilligungen? Helvetische gar? Leider steht kein Volg Laden in Schwamendingen, aber der nächste wäre in Wallisellen, das nur aus dörflichen Plätzen besteht und sonntags auch nicht von Besuchermassen überrannt wird. Stört bestimmt auch. Da Herr Regli dieses Jahr sowieso aus dem Gemeinderat austritt, könnte er sich vielleicht auch grad einen Umzug überlegen. Und beim Walliseller Gemeinderat anfragen, weshalb der Laden die christlich definierte Sonntagskultur so unverhohlen ignoriert. Auf in den Kampf gegen Volg, Herr Regli!

Es ist immer wieder schön, der SVP beim Rumreden um den heissen Brei zuzuschauen, obwohl hier nicht viel Rumreden passiert, Regli rührt direkt im Topf. Die Rage scheint bei SVP Gemeinderäten öfters mitzuschreiben, ich bin über so manche Ungereimt- oder einfach Blödheit in ihrer Argumentation gestolpert, deswegen widme ich der SVP Rhetorik eine eigene Kategorie und freue mich auf künftiges Gedankenwirrwarr im Namen des verkappten Rassismus. Und auf dessen Entwirren.

Beitragsbild: Dr. Daniel Regli, SVP (Bild: Website Gemeinderat Zürich)

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