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Was hat Transsexualität schon mit Gleichstellung zu tun…

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Das fragt sich die SVP, nachdem die Zürcher Fachstelle für Gleichstellung letztes Jahr einen BiblioTalk zum Thema Transkinder organisiert hat. Es scheint auf den ersten Blick etwas unverständlich, wieso der SVP nicht klar ist, dass auch Transsexuelle normale Bürger sind, die Anspruch auf gleichen Schutz und gleiches Recht haben, doch dann liest man sich durch die schriftliche Anfrage der Gemeinderäte Elisabeth Liebi und Johann Widmer und es fällt wie Schuppen von den Augen, wenn man auf solche Sätze stösst:

Was das Thema «Gleichstellung» mit einem derartigen Thema wie die behauptete «Transsexualität» zu tun hat und weshalb man dazu nun auch noch Kinder in dieses komplexe Problem mit einbezieht, ist unklar.

…Hat der Stadtrat 15 wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Thema Transsexualität bei Kindern vorliegend, welche die Veranstaltung der Bibliothek wenigstens wissenschaftlich fundiert legitimieren würden?

Transsexualität wird also „behauptet“, für die SVP scheint das reines Identitätstheater zu sein und Kinder müssen bitte von diesem komplexen „Problem“ ferngehalten werden. Liebi und Widmer hören da auch nicht auf, sie reihen Aussage an Aussage, um Kausalitäten anzudeuten, die jeder Grundlage entbehren und vor allem verunsichern sollen, und stellen dem Stadtrat entsprechende Fragen, die man ihnen am liebsten Buchstabe für Buchstabe an den Kopf zurückwerfen möchte:

3. Klärt der Stadtrat regelmässig ab, ob im Zusammenhang mit dieser und anderen Veranstaltungen der Bibliothek strafrechtliche Tatbestände im Zusammenhang mit dem Kinderschutz oder gar Pornographie erfüllt werden?

8. […] fragen wir sie höflichst an, ob sie sich der Verantwortung einer vorgesetzten Stelle bewusst sind, wenn ihre Mitarbeiter Tätigkeiten ausüben, die sowohl aus juristischer wie auch aus geisteswissenschaftlicher Sicht mindestens fragwürdig, wenn nicht gar illegal, sind?

Schämt euch, Liebi und Widmer. In einer von der Stadt organisierten Diskussion zum Thema Gleichstellung und Transkinder sorgt ihr euch, ob dabei eventuell illegales, (kinder-)pornografisches Material gezeigt wurde? Und unterstellt der Stadt, dass ein Informationsabend zum Thema Transsexualität an sich sogar illegal sein könnte? Wieso nicht gleich sagen, dass transsexuelle Menschen Kriminelle sind, die in den Knast gehören? Es ist fahrlässig und gefährlich, wie hier Transsexualität so geflissentlich und anscheinend selbsterklärend in diese Ecke geschoben wird. Das gab’s schon mal, dieses Verschmelzen von sexueller Orientierung und kriminellen Handlungen, bloss waren es damals Schwule, die als potentielle Pädophile galten. Schöne Schiene, die die SVP da legt.

Für die SVP ist die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht eine „private“ Angelegenheit. Nur, Geschlecht und Geschlechtsidentität sind verschiedene Paar Schuhe und solange in unserer Gesellschaft das Geschlecht sehr wohl eine Rolle spielt, sind Fragen nach Geschlechtsidentität keine Privatangelegenheiten. Stichwort RS Pflicht für Männer, um nur einen öffentlichen Bereich zu nennen, der davon betroffen ist.

Im Schweizer Pass können wir momentan zwischen zwei Optionen wählen, die sich auf das bei der Geburt festgestellte Geschlecht beziehen, was nichts mit der Geschlechtsidentität zu tun hat. Kanada bietet drei Möglichkeiten und Saudi Arabien hat bereits einem Roboter die Staatsbürgerschaft verliehen, Japan denkt ebenfalls darüber nach. Solche Fragen nach Identität sind wichtig, sie werden weltweit diskutiert und müssen in der Schweiz ebenfalls zur Sprache kommen. In Zürich besteht auch bereits ein grosses Bedürfnis danach, der erste BiblioTalk zu diesem Thema erhielt so viele Anmeldungen, dass aufgrund der limitierten Platzzahl eine zweite Veranstaltung organisiert wurde.

Ich bezweifle, dass Liebi und Widmer auch nur eine Publikation aus der verlangten Liste lesen werden, um sich über das Thema zu informieren. Falls sie nicht lesen mögen, können sie sich gerne auch den oscar-prämierten Film „The Danish Girl“ aus dem Jahre 2015 ansehen. Darin geht es um Lili Elbe, eine intersexuelle Malerin, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der ersten geschlechtsangleichenden Operation unterzogen hat. Vielleicht hilft das ein bisschen beim Verständnis. Falls ihnen das zu schnulzig ist und Hollywood sowieso nichts zu sagen hat, es gibt auch seriöse Dokumentarfilme dazu. Man muss sich nur informieren wollen.

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