Text | Woher stammst du, oh Verbrecher?

Alle Balkanović sind Raser, alle Beamten sind faul, alle Polizisten sind Schweine, alle Journalisten sind Arschlöcher. Alles Quatsch.

In der aktuellen Ausgabe der Lokalzeitung Zürich West prangt auf dem Titelblatt ein Artikel zum neuen Vorgehen der Polizei, die Nationalität von Tatverdächtigen in Medienmitteilungen nicht mehr zu nennen, sie liefert diese Information erst auf explizite Anfrage von Journalisten hin nach. Seit Einführung dieser Praxis im November 2017 wurden bis Ende Januar im Schnitt etwa 1.5 Anfragen pro Tag eingereicht, insgesamt 134, das scheint nicht viel zu sein. Aber Mauro Tuena (SVP) redet trotzdem von einem enormen Mehraufwand und sammelt bereits eifrig Unterschriften für eine Initiative, um diese von Stadtrat Wolff eingeführte Massnahme rückgängig zu machen.

Dass hier wieder wenig Staub zu einem imaginären Sandsturm hochgewirbelt wird, dieser Meinung scheint auch Matthias Ninck zu sein, seines Zeichens Sprecher des Sicherheitsdepartements. Der Aufwand sei nicht gigantisch und problemlos zu bewältigen, meint er, und fügt in einem leichten Anflug von Sarkasmus noch hinzu:

Es ist neu und überraschend, dass sich die Medien Sorgen machen um die Arbeitslast der Verwaltungsangestellten. Aber wir begrüssen das natürlich sehr.

Dezenter Seitenhieb, Beamte werden normalerweise ja eher als staatssubventionierte Bürostatisten dargestellt. Ficus beamtina, wenn man so möchte, frei hergeleitet von Ficus benjamina, einer der Büropflanzen schlechthin. Mal so, mal so, je nachdem, aus welcher Ecke der lauteste Hahn kräht.

Es ist durchaus sinnvoll, die Nationalität von Verdächtigen nicht zu nennen. Wolff begründet dies damit, dass es diskriminierend ist, weil so suggeriert wird, dass die Tat mit der Nationalität erklärt werden kann. Dies verdecke die eigentlichen Ursachen für kriminelle Handlungen wie Armut, tiefes Bildungsniveau oder Drogenkonsum. Und seine Sorge ist berechtigt, denn es ist eine Taktik, die häufig angewendet wird. Von Ausländern reden, von enormer Massenimmigration und einem explodierenden Asylwesen und im gleichen Atemzug Drogendealer oder öffentliche Ruhestörung erwähnen, um eine angeblich kausale Verbindung anzudeuten. L’enfer, c’est les autres.

Vielleicht könnte man die Journalisten ja dazu anhalten, in der Anfrage zu begründen, weshalb sie glauben, dass die Nationalität im jeweiligen Falle von Bedeutung ist. Vielleicht könnte man auch gleich darum bitten, dass die Begründung zusammen mit der Nennung der Nationalität im Artikel veröffentlicht wird? Wolff hat seine Gründe, weshalb diese Info zurückgehalten wird, wer nicht damit einverstanden ist, sollte genauso erklären können, weshalb sie wichtig wäre. Verantwortung und Umsicht im Umgang mit Informationen sollte auf allen Seiten praktiziert werden.

Beitragsbild: Sticker an einer Hauswand an der Nordstrasse (c) Kultik.ch

Hau rein in die Tasten

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: